„Wertungsfrei“
27. September 2021

„Kindheitserinnerungen“

Wie ihr alle wisst, ist mein Papa letztes Jahr im Dezember nach einer kurzen schweren Krankheit – einem so genannten „Glioblastom“ verstorben.

Er fehlt uns allen sehr und ich denke, dass das auch nie richtig vergehen wird. Dennoch hilft es mir sehr daran zu glauben, dass er, auch wenn nicht physisch, noch bei uns ist und speziell in unseren/meinen Erinnerungen wird er immer einen großen Platz haben.

Gestern habe ich einen Ausflug ins Ebnit gemacht – einem Ort, mit dem ich sehr viele gemeinsame Erinnerungen und Momente mit unserem Papa verbinde.

Allein die Fahrt ins Ebnit hat mich an viele Situationen erinnert, die ich gemeinsam mit ihm – aber auch ohne ihn erlebt habe. Unter anderem die gemeinsamen Übungsfahrten für den Führerschein mit denen er mich teilweise ans Limit gebracht hat – und auch wenn er es nie zugegeben hat, ist er auch ab und zu ins Schwitzen gekommen. 😉

Aber nun einen kurzen Exkurs in die Kindheitserinnerungen, denen ich auch diesen Beitrag widme:

Aufgrund von Atemwegsproblemen hat damals der Kinderarzt meinen Eltern geraten mit mir ins Ebnit zu gehen, da das Bergdorf auch als Luftkurort bekannt ist.

Aber nicht nur die frische Luft, sondern das Leben selbst, die Volksschule und alles hat mir von Anfang an so gut gefallen, dass ich unbedingt auch den Rest meiner Volksschulzeit im Ebnit verbringen wollte.

Auch wenn es für alle umständlich war, haben es mir meine Eltern erlaubt und ich werde die Zeit nicht vergessen. Es ist etwas Besonderes, wenn man als Kind in eine Schule mit gerade mal sieben Schülern geht und der Nachhauseweg durch einen Wald führt, in dem es immer was zu entdecken gibt – egal zu welcher Jahreszeit.

Schon die Busfahrt mit dem alten Postbus und dem Nebelhorn – das jeder kennt, der damals mit dem Bus ins Ebnit gefahren ist, waren ein einzigartiges Erlebnis.

Dass das nur der Anfang war, habe ich damals noch nicht gewusst. Auch meine beiden Brüder haben dann nach mir die Volksschule im Ebnit besucht und im Jahr 2000 haben dann – wieder eine Aktion von meinem Papa, für die ich ihm sehr dankbar bin, noch fünf vierbeinige Bewohner – nämlich unsere Isländer Pferde einen fixen Wohnsitz im Ebnit bekommen. So war mein Papa, wenn er etwas gemacht hat, dann war es etwas Besonderes – denn „normal“ kann jeder. 😉

Zu Beginn waren unsere Familienausritte noch ziemlich chaotisch, aber dennoch habe ich die Bilder nach wie vor im Kopf und bin dankbar dafür, dass wir gemeinsam diese Erfahrungen machen konnten.Wir haben durch dieses gemeinsame Hobby viel Zeit als Familie verbracht und ich denke gern daran zurück.

Auch mit meinen Mädels, seinen Enkelinnen Xenia und Zoe hat er es geliebt Zeit zu verbringen und hat auch dort gerne mal einen Spaziergang mit den Pferden gemacht.

Was ich immer an ihm bewundert habe, war seine Ruhe und sein Vertrauen in alle – auch nach seinem Tod haben wir oft zu hören bekommen, dass er manche zwar an ihre Grenzen gebracht hat, dass er aber schlussendlich ihnen dabei geholfen hat zu erkennen, zu was sie fähig sind. Er hatte eine Art mit Menschen umzugehen und sie zu motivieren, für die ich ihn nach wie vor bewundere.

In Situationen, in denen ich momentan nicht weiß, was ich tun soll, hilft es mir, wenn ich daran denke, was er in meiner Situation getan hätte. Natürlich adaptiere ich es ein wenig – denn ich weiß, dass ich nicht er bin und dass ich die Dinge auf meine Art angehen möchte – aber ein bisschen Papa kann oft nicht schaden. 😊

Ich denke, dass jeder, der einen lieben Menschen verloren hat ganz genau weiß, dass es immer wieder Phasen, Situationen gibt, in denen das „Loch“, das er/sie hinterlassen hat noch viel größer erscheint und dass man gerne die Zeit zurückdrehen würde. Aber es hilft mir sehr oft diese Erinnerungen und von denen gibt es noch zahlreiche mehr in mein Gedächtnis zu rufen.

Welche Kindheitserinnerungen tauchen denn bei dir gerade auf, wenn du diesen Text liest? Ich finde es auch immer schön, wenn ich diese mit Menschen austauschen kann, die dabei waren. 😉 Vielleicht hast du Lust, das zu machen und sie gemeinsam nochmal aufleben zu lassen.

Ich wünsche dir einen schönen Tag mit vielen schönen Momenten, die du dann als Erinnerungen abspeichern kannst.

Deine Christina