Geduld
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„Erfolg“

„Was ist Erfolg!?“ „Wann ist ein Mensch erfolgreich!?“ – hast du dich das auch schon mal gefragt!? – Wie lautet deine Antwort darauf!?

Ich habe immer gedacht erfolgreich ist man nur dann, wenn man sowohl beruflich als auch sportlich zur Elite zählt. Man ist nur erfolgreich, wenn man mindestens ein Studium abgeschlossen hat oder sportlich zur Spitze gehört. Dann ist ein Mensch erfolgreich.

Für mich war klar, dass man nur zufrieden sein kann, wenn man immer alles dafür gibt erfolgreich zu sein. Nur wer gewisse Dinge erreicht hat, hatte in meinen Augen den Grundstein dafür gelegt glücklich zu sein.

Das war unter anderem ein Grund dafür, dass ich immer mein Bestes – wenn nicht sogar mehr – dafür gegeben habe meinem Traum von einem glücklichen, erfolgreichen Leben (das eine war für mich ohne das andere nicht vorstellbar) nachzueifern – koste es was es wolle.

Vor kurzem war ich auf einem Damen Handball Nationalteam Spiel Österreich gegen Portugal in Bregenz. Als ich die Damen auf das Spielfeld kommen sah sind in mir einige Erinnerungen hochgekommen. Ich habe daran gedacht, dass wenn das Leben vielleicht anders gelaufen wäre ich jetzt auch auf diesem Spielfeld stehen würde und vielleicht auch sonst sportlich mehr erreicht hätte. Einerseits hat mich das sehr beschäftigt, denn es sind wieder Stimmen hochgekommen, die ich so gut kenne – Stimmen die mir zugeflüstert haben – du hast versagt…. Wenn du stärker gewesen wärst, dann hättest du viel mehr erreichen können – aber du, du bist schwach und hast zu früh aufgegeben und dadurch die Chance verpasst sportlich erfolgreich zu sein.

Doch was sich gottseidank inzwischen geändert hat ist, dass ich diesen Stimmen, die mich „schlecht“ machen wollen und die mir mein „Versagen“ deutlich machen wollen jetzt bewusst wahrnehmen kann und mich ihnen stellen kann. Ich kann ihnen sagen, dass sie einerseits Recht haben – dass ich vielleicht mehr erreicht hätte, wenn ich „stärker“ gewesen wäre und dass es definitiv so ist, dass ich oft an meine aktive Zeit als Handballerin und Sportlerin zurückdenke und mir Gedanken darüber mache, wie weit ich es wohl geschafft hätte, wenn ich in der Südstadt bei Hypo Niederösterreich geblieben wäre oder was ich sonst alles erreichen hätte können, wenn ich meine sportliche Karriere mehr fokussiert hätte.

Doch inzwischen hat sich meine Definition von Erfolg verändert. Wenn mich dann diese Gedanken an die Vergangenheit und an mein „Versagen“ einholen dann denke ich daran, was ich jetzt habe. Ich bin gesund, habe eine wunderbare Familie und einen Mann – die mich immer unterstützt haben– und habe inzwischen selbst zwei wunderschöne Töchter, auf die ich unglaublich stolz bin. Es hat Zeiten gegeben, in denen das unvorstellbar war und für mich ist der größte Erfolg, dass ich es aus dieser Dunkelheit zurück ins Leben geschafft habe und wieder aktiv daran teilnehmen kann. Mehr noch – ich habe gelernt, dass für mich Dinge wie Zeit mit meiner Familie zu genießen und mich dabei frei zu fühlen wichtiger für mich sind als alles dafür zu geben erfolgreich (im Sinne der Vorstellungen, die unsere Gesellschaft an uns stellt) zu sein.

Natürlich denke ich auch oft daran, was vielleicht anders gewesen wäre, wenn ich mein Studium in Physiotherapie abgeschlossen hätte. Für mich war es lange Zeit sehr hart mir einzugestehen, dass ich etwas nicht zu Ende gemacht habe und in diesem Fall „versagt“ habe. Doch im Nachhinein hat es mir auch gezeigt, dass das Leben dir immer wieder neue Chancen gibt – auch wenn es nicht der Weg ist, den du dir vorgestellt hast.

Ich kann mit Stolz sagen, dass ich einen Job habe, den ich gerne mache und der mir Spaß macht – auch wenn ich kein Studium abgeschlossen habe. Ich habe einen Beruf, bei dem ich wirklich sagen kann, dass ich mich jetzt schon wieder darauf freue (momentan bin ich ja in Karenz) und ich denke, dass das sehr wichtig ist. Denn ich persönlich kann nur dann mein Bestes geben, wenn ich mich wohlfühle und wenn mir das was ich mache Spaß macht.

Für mich ist ein Mensch dann erfolgreich, wenn er es schafft seinen Weg zu gehen und alles dafür gibt sich und die Menschen in seinem Umfeld glücklich zu machen.

Natürlich ist es schön, wenn man dabei auch noch erfolgreich ist und definitiv sind Träume, die man sich erfüllt – sowohl sportlich als auch beruflich und privat sehr wichtig. Denn ich denke, dass es immer wichtig ist Ziele zu haben und diese zu verfolgen – nur was ich dabei nie vergessen sollte ist dass ich dabei nicht mein Umfeld und mich selbst aus den Augen verliere. Immer wenn ich daran denke, was ich nicht alles erreichen hätte können dann denke ich auch daran, was ich dafür hätte „bezahlen“ müssen – der Preis dafür erfolgreich – insbesondere sportlich erfolgreich zu sein ist oft sehr hoch. Ich muss bereit sein sehr viel Zeit, Schweiß, Anstrengung und oft auch Schmerzen in meinen Traum zu stecken.

Wer von euch mich und meine Familie kennt, dass ich auch hier aus Erfahrung sprechen kann, weil ich auch sehr lange alles dafür gegeben habe sportlich erfolgreich zu sein. Doch wie gesagt, hat sich meine Definition von Erfolg – beziehungsweise die eines erfolgreichen Menschen grundlegend geändert und ich bin stolz darauf. Es war nicht leicht für mich meine Prioritäten neu zu ordnen, aber für mich hat sich dadurch mein Leben grundlegend geändert.

Ich bewundere Menschen, die erfolgreich sind immer noch und habe Respekt vor ihren Leistungen sowohl sportlich als auch beruflich und privat. Dennoch bin ich einfach nur froh und dankbar dafür, dass ich jetzt gerade diesen Beitrag schreiben kann und es das schönste Gefühl für mich ist an den heutigen Tag zu denken – ein Tag, den ich mit meiner Familie verbracht habe – an dem ich die Sonne genießen konnte und einfach nur mit Stolz sagen kann: Es ist schön so wie es ist. 😊

Alles Liebe

Eure Christina

 

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